Drei-Altstädte-Tour - Etappe 3 Von Remscheid-Lüttringhausen nach Wuppertal-Hahnerberg Die zweite Etappe der Drei-Altstädte-Tour beginnt am Lüttringhauser Bahnhof und führt auf einer besonders abwechslungsreichen Strecke durch den Westen des Remscheider Stadtbezirks Lüttringhausen bis an den Jung-Stilling-Weg in Wuppertal. Diese Etappe verbindet auf eindrucksvolle Weise bergische Kulturlandschaft, alte Hofschaften, stille Naturschutzgebiete und bedeutende Zeugnisse der regionalen Industriegeschichte. Die 13 Kilometer sind geprägt von stetigen Höhenunterschieden, schmalen Pfaden und immer neuen landschaftlichen Eindrücken. Durch den Grüngürtel Klausen ins Klauser Bachtal Vom Bahnhof aus folgen wir zunächst dem gut ausgeschilderten Röntgenweg, der uns über die Barmer Straße führt. Schon bald verlassen wir die dichtere Bebauung und biegen links in den Grüngürtel Klausen ein. Hier beginnt der landschaftliche Charakter der Etappe: Alte Bäume, Hecken und Wiesen wechseln sich ab, und die Geräusche des Verkehrs treten spürbar in den Hintergrund. |
Über Halbach und Birgden III nach Grüne Durch ein anschließendes Waldgebiet erreichen wir die Ronsdorfer Straße, die wir an der Diskothek Déjà-Vu überqueren. Dahinter öffnet sich erneut die Landschaft, und der Weg führt weiter durch die Hofschaft Halbach. Die Siedlung erstreckt sich vom Tal des Leyerbachs hangaufwärts und wird vom Röntgenweg durchquert. Die lockere Bebauung, umgeben von Wiesen und Weiden, ist typisch für bergische Hofschaften. Angrenzend liegen die Ortslagen Stollen/Leyermühle sowie Birgden III, ein Ortsteil Lüttringhausens, dessen römische Ordnungsziffer zur Unterscheidung von zwei weiteren gleichnamigen Ortslagen dient. Birgden III zieht sich vom Tal des Leyerbachs hinauf auf den Bergrücken. Der Weg steigt nun spürbar an und führt weiter zur kleinen Hofschaft Grüne. Der Anstieg lohnt sich, denn unterwegs eröffnen sich beeindruckende Ausblicke auf den Remscheider Stadtkegel, der sich markant über die umliegende Landschaft erhebt. Grüne selbst besteht aus nur vier Wohnhäusern, ist jedoch weit über die Region hinaus bekannt. Hier befand sich einst ein Tanzlokal, das über viele Jahrzehnte Gäste aus weitem Umkreis anzog. In der Nacht zum 14. August 2012 wurde das Gebäude durch einen Brand zerstört und teilweise noch in derselben Nacht abgerissen. Heute ist Grüne vor allem durch die Falknerei Bergisch Land bekannt, die an die ehemalige Gaststätte angeschlossen ist. Bei regelmäßigen Flugvorführungen werden Greifvögel wie Uhus, Adler, Wüstenbussarde und Geier präsentiert – ein Abstecher ist ein besonderes Erlebnis. Naturschutzgebiet und Hofschaft Grund Weiter folgen wir dem Röntgenweg durch ein Naturschutzgebiet, das durch seine ruhige Lage und Artenvielfalt besticht. Schließlich erreichen wir die Ortschaft Grund, die idyllisch in einer Senke liegt. Umgeben von Wiesen befindet sich Grund an der Mündung des Oelingrather Bachs in den Grunder Bach, der wenig später in den Morsbach mündet. Die Hofschaft wurde bereits 1547 erstmals urkundlich erwähnt. Noch heute prägen zahlreiche, teils verschieferte Fachwerkhäuser das Ortsbild. Mehrere gekennzeichnete Wanderwege verlaufen durch den Ort, der als typisches Beispiel bergischer Siedlungsgeschichte gilt. In der ehemaligen Dorfschule befindet sich heute die Natur-Schule Grund, eine 2011 restaurierte Bildungseinrichtung. Hier werden Kindern und Jugendlichen Aspekte der Natur und des Umweltschutzes nähergebracht. Hinter dem Gebäude erstreckt sich ein großzügiges Gelände mit Kräutergarten, das den Bildungsansatz ergänzt. Steile Anstiege und Heusiepen Nach der Querung des Grunder Bachs geht es kurz nach rechts, um sofort wieder links in den Wald einzubiegen. Hier beginnt einer der wenigen anspruchsvolleren Abschnitte der Etappe: Ein steiler Anstieg über einen schmalen Weg führt hinauf zur Straße von Westen nach Langenhaus. Oben angekommen, genießen wir die weite Aussicht über die hügelige Landschaft. Anschließend führt der Weg rechts steil bergab, vorbei an Streuobstwiesen, zur kleinen Hofschaft Heusiepen. Der Weiler liegt in einer feuchten Talsenke und wurde erstmals 1639 urkundlich erwähnt. Der ursprüngliche Name „Heysiepen“ verweist vermutlich auf die häufig nebligen Bedingungen im Tal. Besonders sehenswert ist das denkmalgeschützte Fachwerkhaus Heusiepen 2. Saalbachtal, Zillertal und das Naturschutzgebiet Gelpe-Saalbach - Hinter der Hofschaft halten wir uns links und wandern durch das Saalbachtal in Richtung des traditionsreichen Gasthauses Zillertal. Hier besteht die Möglichkeit zur Einkehr und Stärkung im idyllischen Biergarten. Kurz vor dem Gasthaus folgen wir einem Wegezeichen mit schrägem Dreieck und wechseln in das Gelpetal. Das Naturschutzgebiet Gelpe-Saalbach steht seit 2001 unter Schutz. Das Gelpe-Saalbach-Gewässersystem ist ein bedeutender Brut- und Rastplatz für verschiedene in Nordrhein-Westfalen gefährdete Vogelarten. Industriegeschichte im Gelpetal Das Gelpetal zählt zu den bedeutendsten industriegeschichtlichen Landschaften des Bergischen Landes. Entlang der Gelpe wandern wir vorbei an den Standorten ehemaliger Wasserhämmer und Schleifkotten. Informationstafeln des Industriegeschichtslehrpfads erläutern anschaulich die Bedeutung der Wasserkraft für die Eisen- und Stahlverarbeitung seit dem 14. Jahrhundert. Ein besonderer Höhepunkt ist der Käshammer, ein hervorragend erhaltener historischer Hammerbetrieb, der erstmals 1607 urkundlich erwähnt wurde. Das Gebäude zählt heute zu den besterhaltenen seiner Art. Im Sommer 2024 wurde ein neues Wasserrad aus Lärchenholz und Stahl angebaut, das wieder Strom erzeugt – ein eindrucksvolles Beispiel für die Verbindung von Geschichte und moderner Nutzung. Gegenüber befindet sich das ehemalige Ausflugslokal, das 2005 geschlossen wurde. Knapp einen Kilometer weiter ragt der historische Schornstein des ehemaligen Oberen Jansenkottens auf – das letzte erhaltene Zeugnis eines 1908 abgebrochenen Schleifkottens. Hier finden sich auch die letzten Überreste des ehemaligen Ausflugslokals „Bergisch Nizza“, das 1943 zerstört wurde. Schlussanstieg zum Jung-Stilling-Weg Die Wanderwege nach rechts und links lassen wir unbeachtet und folgen der Straße leicht bergan. Nach etwa 300 Metern biegt der Weg links in ein kleines Wäldchen ab. Der letzte steilere Anstieg führt uns in Richtung Hahnerberg. Nach der Überquerung der L418 erreichen wir das Gelände der Station Natur und Umwelt Wuppertal, der größten kommunalen Einrichtung für Umweltbildung in Nordrhein-Westfalen. Wenig später gelangen wir zum Jung-Stilling-Weg, wo diese eindrucksvolle Etappe endet. Fazit: Eine Etappe voller Kontraste Die zweite Etappe der Drei-Altstädte-Tour verbindet auf einzigartige Weise Naturerlebnis, Ortsgeschichte und Industriegeschichte. Sie führt durch stille Täler, über aussichtsreiche Höhen und vorbei an eindrucksvollen Zeugnissen vergangener Arbeitswelten – eine Wanderung, die das Bergische Land in all seinen Facetten erlebbar macht. |